DIE FÄRBEREI

Bunt auf weiß: Die Färberei

Es kommt schon vor, dass wir für eine
waschechte Färberei gehalten werden.
Kein Wunder, unser Haus in der Claude-
Lorrain-Straße 25 beherbergte früher eine
Wasch- und Färbeanstalt – und ebenso
wie damals wird uns auch heute nichts
zu bunt. Doch heute färben wir keine
Jacken und Hosen mehr, sondern Lein-
wände, Mauern und Brückenpfeiler:
Die Färberei ist ein Jugendkultur-Haus
des Kreisjugendring München-Stadt,
wir fördern und fordern junge Kunst.

Jugendkultur in kleinen Dosen

Im New York der 1970er Jahre beginnt der
Siegeszug der Graffiti-Kunst: Ein griechi-
scher Kurier hinterlässt auf seinen Boten-
gängen das Pseudonym „Taki 183“ auf den
Wänden der ganzen Stadt – er gilt als Urvater
der modernen Wandmalerei. In Deutschland
schlägt die Geburtsstunde der Graffiti-Kunst
1983, in München formiert sich in diesem Jahr
die erste deutsche Szene. 1985 entsteht im
Zeugnerhof, einer Einrichtung des Kreis-
jugendring München-Stadt, eine Anlauf-
stelle für die hiesigen Sprühdosen-Künstler:
Dies ist das erste Projekt in München, das die
Graffiti-Szene aus der Schmierer-Ecke holt und
ihre Kunst fördert. Kein Wunder, dass die Anlaufstelle
zum Selbstläufer wird, sie entwickelt sich zu einem international
bedeutsamen Szene-Knotenpunkt, bei dem sich Graffiti-Nachwuchs
ebenso wie Künstler von Weltruhm aufgehoben fühlen. Der Platz im
Zeugnerhof aber wird zu klein für die stetig wachsende Szene – 1999
zieht das Graffiti-Projekt in die Färberei in der Claude-Lorrain-Straße 25.

Hier sprüht die Kreativität

Hier bekommt die Sprüher-Szene Raum, ihre Kreativität
buchstäblich sprühen zu lassen. Die Färberei unterstützt sie
in ihrer künstlerischen Entwicklung und begleitet sie über
die Schwelle zur Professionalität. In den hauseigenen Kur-
sen und Workshops können jüngere Künstler daher ihr Hand-
werk perfektionieren, in der Werkstatt können sie an ihren
Werken feilen; professionellere Künstler können in der haus-
eigenen Galerie ausstellen – und Freiflächen in der ganzen
Stadt legal bemalen. Für größere Wandmal-Aktionen holt die
Färberei Graffitikünstler aus der ganzen Welt in die Stadt,
damit sich Münchens Maler mit ihnen austauschen können.

Zudem werden seit einigen Jahren ferner Fotografen,
Filmemacher, Maler und Musiker gefördert. So kommt es,
dass die Färberei parallel zu ihren Ausstellungen Konzerte
und Hip- Hop-Jams mit Künstlern aus München und der
ganzen Welt veranstaltet, oft Hand in Hand mit Partnern
wie dem städtischen Kulturreferat. Damit die Künstler be-
ruflich Fuß fassen können, vermittelt die Färberei Aufträge –
und hilft ihnen bei sämtlichen Fragen, die die Arbeitswelt
betreffen, etwa in der Pressearbeit oder in vertraglichen
Angelegenheiten. Die Beratung für in Schwierigkeiten
geratene Graffitikünstler runden das Spektrum
der Giesinger Kultureinrichtung ab.